Kita-Alltag

Unsere Küche — Warum eigenes Essen den Unterschied macht

· von Selma Yilmaz

In Gropiusstadt kochen wir täglich frisch — und das ist keine Marketing-Phrase, sondern eine pädagogische Entscheidung. Was dahintersteckt.

„Habt ihr eine eigene Küche?” — diese Frage bekommen wir bei jedem Eltern-Erstgespräch. Und die Antwort lautet: Ja. In unserer Kita in Gropiusstadt steht eine vollwertige Großküche, in der Sevki Yilmaz (unser Geschäftsführer und gelernter Koch) und sein Team täglich frisch kocht — für alle drei Standorte. Klingt logisch. Ist es aber nicht.

Die Mehrheit liefert sich was an

In Berlin werden geschätzt mehr als 70 % aller Kita-Mahlzeiten von externen Caterern geliefert. Das hat Gründe — vor allem Platz, Kosten und Personalmangel. Eine eigene Küche braucht Räume, Geräte, eine zertifizierte Köchin oder einen Koch, Hygienekonzept, regelmäßige Behördenkontrollen. Es ist deutlich einfacher, einen Vertrag mit einem Cateringunternehmen zu unterschreiben.

Trotzdem haben wir uns für die eigene Küche entschieden. Und zwar aus guten Gründen.

Was eine eigene Küche ändert

Frische

Tiefkühlware sieht auch nach 3 Tagen Catering-Lagerung okay aus, aber sie verliert Nährstoffe und Geschmack. Wenn wir morgens schneiden, dampfen, kochen und um 11:45 servieren, schmecken die Sachen anders. Das merken sogar Zwei-Jährige.

Individuelle Berücksichtigung

Tim ist allergisch gegen Erdnüsse. Mira lebt vegetarisch. Bei Yusuf wird halal gegessen. Bei einem Caterer landen solche Wünsche im „Sonderportionen”-Topf — und die Sonderportion fühlt sich für das Kind anders an als das, was die anderen bekommen. Bei uns kochen wir von Anfang an so, dass die Allergie- und Religions-Anforderungen einfach mitgedacht werden. Yusuf bekommt nicht „etwas Anderes”, sondern dasselbe — nur ohne Schwein.

Pädagogische Mahlzeit

Essen ist bei uns kein Pausenfüller, sondern Pädagogik. Die Kinder helfen beim Tischdecken, sehen die Köche durch die Klappe arbeiten, dürfen bei einfachen Vorbereitungen (Gemüse waschen, Teig kneten) mitmachen. Was im Topf ist, ist nicht „magisch” — es ist Arbeit von echten Menschen, die sie kennen. Das verändert die Beziehung zum Essen.

Saisonalität

Im April gibt es Spargel. Im Oktober Kürbis. Im Februar Wirsing. Das mag banal klingen, ist aber für viele Kinder neu. Wir besprechen am Tisch, was gerade Saison hat — und warum die Gurke im Januar lange Wege hinter sich hat.

Schnelle Reaktion

Wenn morgens eine Kita-Lieferung mit verdorbenem Joghurt ankommt, muss man kreativ werden — schnell. Bei uns hat das Küchenteam dann 90 Minuten Zeit, das Mittagessen neu zu planen. Bei einem externen Caterer wäre das eine Stornierung mit Notfallpaketen.

Was kostet das?

Mehr als Catering. Deutlich mehr. Trotzdem zahlen Eltern bei uns nicht mehr als anderswo — den gesetzlichen Essensbeitrag von 23 € pro Monat. Den Unterschied trägt der Träger, weil wir glauben, dass es das wert ist. Punkt.

Was kommt auf den Tisch?

  • Montags eher leichte Gerichte (oft Pasta oder Reis)
  • Dienstags Gemüse-Fokus (Aufläufe, Eintöpfe)
  • Mittwochs Fisch (immer aus nachhaltigem Fang)
  • Donnerstags Klassiker (Linsensuppe, Kartoffelpuffer, Buletten)
  • Freitags Geflügel oder vegetarisch
  • Süßes als Nachtisch nur 1–2× pro Woche, ansonsten Obst

Allergien, Vegetarier, halal-Variante laufen immer mit. Vegan auf Anfrage und nach Absprache.

Frühstück & Snack

Das Frühstück bereiten wir vor (Vollkornbrot, Aufschnitt, frisches Obst, Käse) — die Kinder bedienen sich selbst. Am Nachmittag gibt es Obst und Rohkost.

Und die anderen beiden Standorte?

Adlershof 1 und 2 bekommen das Essen aus der Gropiusstadt-Küche per kurzem Transfer. Wir kommen damit nicht auf 100 % „on-site cooking”, aber es ist deutlich besser als ein industrieller Caterer. Auch die Adlershof-Kinder essen das, was bei uns frisch gekocht wurde.

Wenn ihr neugierig seid: Wir zeigen die Küche gern beim Kennenlerntermin. Einfach fragen.

Lust auf einen Kitaplatz?

Trag dein Kind unverbindlich auf unsere Warteliste ein — drei Minuten, wir melden uns innerhalb von 7 Tagen.

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